Funken aus dem Dunkeln

Von Entgleisungen, einer endlosen Krise, der Suche nach dem Wunder in uns selbst und der Geburt von Lufrai.

Ich wünsche mir, dass es heilende Worte gibt, um uns in dieser Krise Hoffnung zu schenken, stärkende Worte um uns aus diesem Teufelskreis zu befreien, klare Worte mit der unendlichen Kraft einer aufrichtigen Umarmung, um uns als Gemeinschaft wieder zu verbünden, um uns zu vertrauen. Seit dem Beginn der Krise ersehne ich mir den Moment, einen Zeitungs-Artikel aufzuschlagen, und von einem Wunder zu lesen, das sich auf der ganzen Welt ausbreitet, das uns unser verloren geglaubtes Verständnis zurück gibt, um wieder eine Brücke zu bauen, über den Nebelflor, und gemeinsam zu beten, als freie Menschen. Bei Morgenrot wieder unsre Trycheln in Gemeinschaft durch die Strassen schlagen zu hören und bei Nacht selig davon zu träumen, was wir morgen zusammen erreichen können, ja das wünsche ich mir von Herzen.

Können wir dieses Wunder sein?

Zugausfall
Ausfälle kommen vor.

Am Freitagabend dem 15. Juni 2018 spürten sie viele von uns: die Ohnmacht der Abhängigkeit von einem gigantischen System, das Leben als Teil einer Kette fein-justierter Abhängigkeiten, Abhängigkeiten gefolgt von Abhängigkeiten, eine filigrane Kette deren schwächstes Glied jederzeit zu entgleisen droht. An besagtem Abend entgleiste ein Güterzug im Bahnhof Winterthur und löste für viele Wochenend-Fällige ein Chaos aus. Der gesamte Bahnverkehr musste umgeleitet werden. Es war ein Totalausfall. Die SBB fasste das Geschehene und die Hintergründe in einem detaillierten Artikel zusammen.

Wie es der Zufall wollte, konnte ich unter hunderten Mitfahrenden diesen Totalausfall quasi an der eigenen Haut miterleben, denn mein Zug war gerade auf dem Weg nach Winterthur als dort der Güterzug entgleiste. Abrupt legten wir noch vor Winterthur einen Stopp ein und verliessen unseren Zug. Anschliessend war es für die Meisten erstmals nicht klar, wie die Fahrt überhaupt weitergehen soll. Verunsichert standen wir am Bahnhof, alle Passagiere aus der ersten und zweiten Klasse plötzlich gemeinsam vereint, nahezu ohnmächtig, suchten Vorort und im Internet nach Hilfe und warteten auf eine Klärung der Situation. In diesem Durcheinander beobachtete ich fasziniert die Menschen. Wie sie unterschiedlichste Lösungsansätze für diese Heimweg-lose Situation entwickelten war ein überraschendes Schauspiel. Viele versammelten sich, orientierten sich an der unüberschaubaren Menschenmenge, einige machten Musik, tranken Bier, andere waren in Gedanken, genossen die Unvorhersehbarkeit der Zeit oder warteten einfach auf Ersatzbusse und ihre Liebsten/-Taxifahrer. Vereinzelt entschlossen sich die Gestrandeten das einzig Vernünftige zu machen, was man in dieser Lage machen kann: sie organisierten sich etwas zum Essen.

Auch ich besorgte mir ein Sandwich und nahm in der Zwischenzeit Kontakt mit meinen Sternen auf. Meine Mutter reagierte auf diese Kontaktaufnahme und konnte mich schon bald spontan in der Nähe mit dem Auto abholen. Sie war ein kleiner Funken in einer anderweitig scheinbar unlösbaren Situation. Mir blieb das Zusammenpressen im Ersatzbus (Abstandhalten war damals noch nicht politisch, finanziell viabel), ein 4-stündiger Umweg, eine Hotelübernachtung oder die Rückkehr ins Geschäft erspart. Zuhause angekommen, amüsierte ich mich über das Erlebnis mit einem frechen Kommentar:

Tweet with the text: Tomorrows headline: Swiss Federal Railways (abbreviated SBB), handles worst case scenario nearly perfect with a purportedly, by the passengers unnoticed workaround.
Tomorrows headline: Swiss Federal Railways (abbreviated SBB), handles worst case scenario nearly perfect with a purportedly, by the passengers unnoticed workaround.

Übersetzung: «Überschrift morgen: Schweizerische Bundesbahnen (abgekürzt SBB) Mit einer von den Passagieren vermeintlich unbemerkten Umgehungslösung, meisterten sie das Extremszenario nahezu perfekt.»

Sind es solche Funken, die ein Wunder ausmachen?

Über dieses Erlebnis habe ich seit damals oft nachgedacht. Was, wenn meine Mutter keine Zeit gehabt hätte? Ja wenn ich gar niemanden telefonisch hätte erreichen können? Was, wenn die Ersatzbusse von der SBB einen technischen Defekt vorwiesen? Was, wenn meine Kreditkarte für die Hotelübernachtung gesperrt gewesen wäre? Ob die Effretikoner Migros damals Zelte im Angebot hatte? Diese «was wäre wenn»-Fragen blieben natürlich unbeantwortet, mir wurde jedoch langsam klar wie wichtig direkte, gepflegte, unkäufliche Beziehungen sind, wenn man vom System unabhängig sein will – eine Erkenntnis die mir als Beziehungs- und Kommunikationsmuffel nicht gefallen wollte.

Wir leben in einem System, das scheinbar auf jedes selbst oder nicht-selbst geschaffene Problem eine relativ bequeme Lösung bereit hält. In der Schweiz genossen wir für viele Jahre den Luxus, jede Lösung mit etwas Geld kaufen zu können, keine weitere Fragen. Aber die Schweiz befindet sich wie die meisten Länder im Wandel. Im internationalen Gleichschritt stülpt sie sich unaufhaltsam die Uniform eines Krankheitsdiktats über. Und wer bei dieser Gleisänderung nicht mit macht, kommt mit Geld alleine bald nicht mehr weit. Die Schweiz ist, von den Qualitätsmedien nahezu unbemerkt, entgleist und stellt uns die unweigerliche Frage, ob wir dazu bereit sind, wieder auf die altmodische Art zusammenzuarbeiten. Bin ich dazu bereit?

Einen genauen Zeitpunkt dafür auszumachen wann die Schweiz entgleiste, ist wohl nicht möglich. Klar ist jedoch, dass viele ehemalige Passagiere Heimweg-los am Bahnhofgleis stehen und wir vom System keine Ersatzbusse mehr erwarten sollten. Wir sind alle gefragt, ein wahrhaftiges Funken-Wunder für uns selbst zu beschwören.

Die grenzenlose Krise des menschlichen Übermuts hatte nicht nur zur Folge, dass das vorhin als selbstverständlich erachtete Wissen um 180 Grad gedreht und die weit klaffende, bittere Lücke an gesundem Menschenverstand in der globalen Politik durch ein verflochtenes, manipulatives Pflaster aus Lügen und Opportunismus geschlossen wurde. Sie legte auch das Fundament für eine aussergewöhnliche Bewegung aus tapferen, unaufhaltsam aufmerksamen, freiheitlich gestimmten Seelen. Diese Seelen sind es, die mir jeden Tag immer wieder irgendwie den Mut geben, um weiterzumachen und neue Wege aus der Entgleisung zu suchen. Es vergeht kaum eine Woche in der ich nicht durch den unbremsbaren Herzschlag unserer Bewegung aufgewärmt werde.

Funken in der Luft! Kleiner Ausschnitt aus der Demo «Stoppt die Spaltung des Volkes» vom 04.09.2021 in Chur

Momente des Muts

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Mahatma Gandhi

Bereits seit meiner Kindheit erlebte ich eine immer schneller werdende Abwärtsspirale meines Vertrauens ins gesamte Spektrum des Systems von Links bis Rechts. Dabei stand immer die eine elementare Frage im Raum: Haben die Menschen nichts aus den Fehlern früherer Generationen gelernt, kann das wirklich sein? Am 13. Juni 2021 fand ich meine ernüchternde Antwort auf diese Frage, als sich die Mehrheit des aufgeklärten Schweizer Volks dazu entschied Unrecht zu Recht zu erklären, begründet aus dem Wunsch nach mehr Sicherheit, aus Angst vor dem Unbekannten, verkauft durch eine Politik der Unwissenheit.

Ich konnte einfach nicht mehr – zusehen. Bis zu diesem Moment verbrachte ich die meiste Zeit hauptberuflich als engagierte Web Entwicklerin bei einer aussergewöhnlichen Agentur, im ständig begleitenden Bewusstsein, dass mein Handeln eigentlich durch global agierende Akteure gesteuert war. Meine Freizeit verbrachte ich bereits häufiger denn je an Demonstrationen, Flyeraktionen und der Unterstützung des demokratischen Widerstands. Aber am 13. Juni 2021 entschloss ich mich, all meinen Mut zusammen zu nehmen und selbst die Veränderung zu werden, die ich mir für diese Welt wünsche. Zehn Tage später reichte ich meine Kündigung ein: «…Es vergeht seit Monaten wohl kein Tag an dem ich mich nicht Frage, ob ich gerade meine letzte Chance verpasse, um eventuell, nur eventuell, einen Beitrag dafür zu leisten, dass diese Welt doch noch ein kleines bisschen besser wird…».

Wer sich in einer Krise selbständig macht, muss entweder verrückt, oder ein Genie sein. Aber ich verspreche dir: Ich werde stattdessen ein VERRÜCKTES GENIE sein.


Lufrai – Befreie deine Stimme

Meine womöglich letzte Chance werde ich dazu nutzen, für unsere Unabhängigkeit und die Freiheit zu kämpfen. Lufrai ist der Name meiner Einzelfirma die ich bereits vor Jahren mit dem Wunsch gründete, etwas gegen die sich ausbreitende Zensur, politische Korrektheit und Bürokratie im Internet zu unternehmen. Aber es ist auch der Name meiner Bewegung die ich hiermit ankündigen will. Die naiven Ziele der Bewegung lauten:

  • Orte der freien Meinungsäusserung schaffen
  • Unbequemen Stimmen ein Sprachrohr geben
  • (Selbst)kritisches Denken fördern
  • Unser Nicht-Wissen enthüllen und im Idealfall aus unseren Fehlern lernen
  • Menschen in ihrer Ähnlichkeit verbinden, statt sie in ihren Differenzen spalten

Meine Ideen wie diese Ziele erreicht werden können, aber auch generelle Gedanken zur Bürgerrechtsbewegung, zu Politik, Kreativität, Vergangenheit und Zukunft werde ich fortlaufend in diesem Blog hier kundtun. Falls dich dieser Beitrag angesprochen hat und du mehr erfahren möchtest, würde ich mich wirklich über deine Registrierung im Newsletter freuen! Falls du mit mir zusammenarbeiten möchtest oder Fragen hast, findest du verschiedene Kontaktmöglichkeiten im Impressum.

Vieli Grüessli, en Guete und ein sonniges, geiles, erholsames Wochenende
Katja Lutz

Kuchen zur Gründung von Lufrai
Wir schreiben den 20.10.2014: Die Idee von Lufrai war schon längst in meinem Munde 😋

11 Kommentare

Hoi Janine 😀
Ich möchte dir für dein liebes Feedback, über welches ich mich sehr gefreut habe, nachträglich vielmals danken! Es tut gut zu hören, dass ich dir mit dem Artikel etwas Mut mitgeben konnte ^.^

Wünsche dir von Herzen einen sonnigen Start in die Woche!
Katja

Leider weiss man immer noch nicht so wirklich, was lufrai den eigentlich sein soll. Ein Verein? Eine Firma? Kommerzielle Interessen? Bis jetzt finde ich es einfach nur lächerlich, aber mal schauen was da noch kommt.

Guete Abig Mux

Danke dir für deine Kritik und dass du dir überhaupt die Zeit genommen hast, den Artikel zu lesen! Deine Frage bezüglich kommerziellen Interessen kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich könnte dir jetzt zwar sagen, dass ich mit Lufrai keine Gewinn-orientierten Interessen verfolge und das wäre wirklich nicht gelogen, würde dir aber wahrscheinlich trotzdem nicht weiterhelfen, denn das kann ja jeder behaupten 🙈. Und beweisen kann ich es dir nicht mit Worten, sondern nur mit Taten, sonst wäre ich eine Politikerin 🤭. Insofern: es würde mich freuen wenn du meinen lächerlichen Blog weiter beobachtest und wer weiss: vielleicht vergeht uns beiden irgendwann das Lachen 😉.

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